Geschichte

Das MKK in der Tränktorstraße

Im Jahr 1992 öffnete in Ingolstadt eine einzigartige Institution ihre Türen: das MKK − Museum für Konkrete Kunst. Es war und ist deutschlandweit das erste und bis heute einzige Haus, das sich ausschließlich der Konkreten Kunst widmet. Den Ausgangspunkt bildete die Sammlung des Schriftstellers und Begründers der Konkreten Poesie Eugen Gomringer (1925–2025).

Sie umfasst bedeutende Werke namhafter Vertreter*innen der Konkreten Kunst wie Josef Albers, Max Bill oder Verena Loewensberg. In den letzten 34 Jahren wurde die Sammlung stetig erweitert und um den Schwerpunkt Design ergänzt. Inzwischen ist der Bestand des Museums und der angelagerten Stiftung auf rund 15.000 Werke angewachsen. Schon längst ist es Zeit, für die Konkrete Kunst ein größeres Haus zu schaffen!

Außenansicht MKK, Tränktorstraße, Foto: Hubert Klotzeck

Luftbildaufnahme Tränktorstraße, Foto: Schalles

Quartier G − Alte Gießerei

Das Areal, auf dem das zukünftige MKKD entsteht, weist eine wechselvolle und lange Geschichte auf. Bereits im 13. Jahrhundert stand auf dem Areal eine Befestigungsanlage, die die Stadt vor Eindringlingen schützen sollte. Im 19. Jahrhundert wurde hier die „Königlich Bayerische Geschützgießerei und Geschoßfabrik“ gegründet und Ingolstadt zur Militärstadt. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten 17.000 Arbeiter*innen auf dem Gelände des Rüstungsbetriebs. Nach dem Krieg gab es unterschiedliche Nutzungen. Die Auto Union war zeitweise dort ansässig, auch wurden Armaturen und Spinnereimaschinen hergestellt.

Im Zweiten Weltkrieg diente die Fabrik abermals als Rüstungsbetrieb und produzierte Granaten, Flugzeugleitwerke und Motoren für U-Boote. Von 1950 bis 1990 übernahmen die „Deutsche Spinnereimaschinen AG Ingolstadt“ und „Schubert & Salzer Maschinenfabrik AG Ingolstadt“ die Gebäude. Seit 1996 stehen einige Bauten unter Denkmalschutz.

Und die Transformation geht weiter: Mit der Technischen Hochschule und ihren Instituten, mit dem brigk, dem MKKD, der Audi Akademie, dem Maritim Hotel mit dem Congress Centrum sowie der Ingolstädter Wirtschafts- und Wissenschaftsförderung entsteht auf dem Gelände aktuell ein einzigartiges Zentrum für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Die Gießereihalle um 1990. Foto: © Donaukurier

Die Geschützbohr- und Artillerie-Werkstätte im 19. Jahrhundert. Foto: © Zentrum Stadtgeschichte, Ingolstadt

Archäologie

Der Umbau der „Gießereihalle“ zum MKKD brachte zahlreiche archäologische Funde zum Vorschein, die von der Fachfirma Pro Arch gesichert und dokumentiert worden sind. Mit einem Grabungsteam aus 5 bis 15 Personen wurde seit 2012 eine Gesamtfläche von 3.500 Quadratmetern bearbeitet. Objekte aus der Industriezeit und Überreste der historischen Festungsanlagen boten neue und facettenreiche Einblicke in die unterschiedlichen Phasen der Nutzung des Areals in der Vergangenheit. Der hohe Grundwasserstand des Geländes war seit jeher eine Herausforderung für die Bauherren. Die Festungsmauern, aber auch die Geschützgießerei sind auf zahlreichen Holzpfählen errichtet worden, die teilweise mit Eisenbändern an den Spitzen verstärkt wurden. Für den Bau des neuen MKKD wurden diese entfernt. Aus dem Industriezeitalter kamen Werkzeuge aus Metall und Holz sowie Schubkarren ans Licht. Viele Uniformteile aus dem frühen 20. Jahrhundert, aber auch Munition wurde geborgen, teils noch in Holzkisten aus dem 18. Jahrhundert, vor allem aber etliche Tongranaten. Unter Einsatz aller verfügbaren Technologien dokumentierten die Archäolog*innen den Grabungsort, um die Erkenntnisse für weitere Forschungen zugänglich zu machen.

Archäologische Arbeiten ProArch, Foto: Johannes Hauser

Museum für Konkrete Kunst und Design (MKKD) im „Quartier G“

Aktuell durchlebt das Museum eine eindrucksvolle Transformation: Im Jahr 2027 soll sein neues Ausstellungshaus im „Quartier G“ eröffnen. In einer historischen „Geschützbohr- und Artillerie-Werkstätte“ aus dem 19. Jahrhundert, die − nicht ganz korrekt, dafür hartnäckig − den Namen „Gießereihalle“ trägt, wird ein inspirierender Ort für Kunst und Design geschaffen. Hier sollen künftig neben Wechselausstellungen die Sammlungsbestände des MKKD, Werke aus der Stiftung für Konkrete Kunst und Design (SKKD) sowie weitere Präsentationen zu sehen sein. Die Geschichte der Konkreten Kunst wird damit erfahrbar und die Kunstrichtung durch ein vielfältiges Programm gleichzeitig in die Zukunft geführt.

Baustellenbilder der vergangenen Jahre, Foto: Johannes Hauser

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